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Funktionen kombinieren |
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Funktionen können auf vielfältige Art kombiniert werden. Einige Beispiele:
Wir betrachten vorwiegend reelle (z.T. auch komplexe) Funktionen in einer Variablen. |
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1. Funktionen addieren 1.1. Beispiel Töne / Obertöne (Musik) Zu einer Grundschwingung werden Obertonschwingungen addiert. Es entsteht der charakteristische Klang eines bestimmten Instrumentes. |
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Bildquelle: https://www.egli1.ch/Oboe/oboenspektrum/node3.html Die links gezeigte Schwingung ist eine Summe von Grundschwingung und Obertonschwingungen. Besonders bedeutsam ist das Umkehrproblem: Gegeben eine periodische Funktion. Gesucht: Die einzelnen Sinus- und Kosinus-Summanden, also das Obertonspektrum. Dies leistet die Fourierzerlegung. |
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1.2. Beispiel Kettenlinie
Die Kettenlinie ist die Summe zweier Exponentialfunktionen: f(x) = a⋅(ex/a + e-x/a)/2 + b oder y = a⋅cosh(x / a) + b |
Aufgabe Eine Kette, welche der Gleichung links mit b = 0 genügen soll (entspricht einer Kettenlänge von ca. 1.83 m), hängt zwischen zwei Pfosten, die im Abstand d zueinander stehen.
Bemerkung: |
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Lösung der Aufgabe:
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Krümmungsradius im Scheitel 0.4 m. |
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Zusatzaufgabe: Wie weit auseinander sind die Pfosten zu setzen, wenn der Krümmungsradius am Scheitelpunkt 2 m betragen soll, die Kette am Scheitelpunkt 0.4 m über Boden verlaufen soll und die Aufhängungen je 1 m über Boden sein sollen? |
rot: Krümmungskreis r = 2 m; braun: Aufhängepfosten 1 m hoch; Scheitel 0.4 m über Boden |
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Lösung: a = 2. |
Antwort: Um einen Krümmungsradius im Scheitel von 2 m zu erreichen, müssen die Pfosten ca. 3.026 m auseinander stehen. Bemerkung: |
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1.3. Zerlegung einer Funktion in die Summe einer geraden und einer ungeraden Funktion f(x) heisst gerade, wenn f(-x) = f(x) ist. f ist dann symmetrisch zur y-Achse. f(x) heisst ungerade, wenn f(-x) = - f(x) ist. f ist dann punktsymmetrisch zum Koordinatenursprung. Wir suchen: f(x) = g(x) + u(x), mit g gerade und u ungerade. Wie könnten g und u konstruiert werden? |
Lösung: g(x) = (f(x) + f(-x)) / 2 und u(x) = (f(x) - f(-x))/ 2. Man überlege, warum g gerade und u ungerade ist. (Was passiert beim Wechsel von x zu -x?)
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Beispiel: Zerlegung von y = Exp(x) in einen geraden und einen ungeraden Anteil:
blau: Exponentialfunktion (weder achsen- noch punktsymmetrisch) |
g(x) = (Exp(x) + Exp(-x)) / 2 u(x) = (Exp(x) - Exp(-x)) / 2 ---------------------------------- Summe = Exp(x) |
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1.4. Darstellung einer Funktion als Taylor-Polynom Wir betrachten folgende Polynomfunktion: |
Allgemein:
Man sagt, man habe die Funktion f um x = 0 herum entwickelt. Nun kann man versuchen, diese Formel auch auf andere Funktionen zu übertragen. Beispiel: Exponentialfunktion:
Es stellen sich etliche Fragen: Wann ist eine solche Entwicklung möglich? Wann konvergiert eine solche Entwicklungsreihe gegen die ursprüngliche Funktion? Wie sieht das Restglied bei endlicher Summation aus, das die Näherungssumme zur wirklichen Funktion ergänzt? Wie steht es bei komplexen Funktionen? |
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Aufgaben: 1. Man finde die Potenzreihe für die Sinusfunktion. |
Entwicklung der Sinusfunktion in ein Taylorpolynom 7. Grades. Im Bereich zwischen ca. -3 und +3 ist das Taylorpolynom eine recht gute Näherung für y = sin(x). |
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Zu den obigen Aufgaben:
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1.5. Fourierreihen Rechts ist eine periodische Funktion abgebildet, die sich aus zwei elementaren Winkelfunktionen zusammensetzt. Interessanter als das Zusammensetzen von Sinus- und Kosinusfunktionen ist die Umkehrung: Gegeben eine (zunächst) periodische Funktion f(t). Gesucht: Eine Zerlegung in Sinus- und Kosinuskomponenten: f(t) = a(0) + a(1)cos(t) + a(2)cos(2t) +... + b(1)sin(t) + b(2)sin(2t) + ... Die a(i) und die b(i) sind die Fourierkoeffizienten. Sie repräsentieren das Spektrum von f(t). Weiterführende Fragen:
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f(t) = - 0.5 sin(4t) + 0.5 sin(6t) |
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| Aufgabe Sei f(t) = cos²(t). Gesucht ist eine Darstellung a(0) + a(1)cos(t) + a(2)cos(2t) + ... |
Lösung: cos²(t) = 0.5 + 0.5cos(2t). | |||
1.5.1. Grundlagen: Orthogonalität von sin(mt) und cos(mt): Wir benötigen folgende Tatsache: Das ∫ sin(m⋅t)⋅sin(n⋅t)dt integriert zwischen 0 und 2π beträgt 0 für m ≠ n und π für m = n. Dasselbe gilt für ∫ cos(m⋅t)⋅cos(n⋅t)dt integriert zwischen 0 und 2π. Ferner ist ∫ sin(m⋅t)⋅cos(n⋅t)dt integriert zwischen 0 und 2π = 0. Da das Integral eine Art verallgemeinertes Skalarprodukt darstellt, und zwei Vektoren mit Skalarprodukt 0 orthogonal (senkrecht) aufeinander stehen, spricht man hier ebenfalls von Orthogonalität der elementaren Sinus- und Kosinusfunktionen. Falls f(t) nicht die Periode 2π, sondern etwa die Periode T aufweist (die Kreisfrequenz ω(0) ist 2π/T) wird einfach über diese Periode integriert, z.B. von t(1) bis t(1)+T. |
Begründung:
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1.5.2. Berechnung der Koeffizienten der Sin- / Cos-Reihe Sei nun f(t) nun eine Funktion (der Zeit) mit Periode T.
(*): Nach den Orthogonalitätsrelationen oben ergibt die Integration
Beispiel: f(t) = - 0.5 sin(4t) + 0.5 sin(6t). T = π. |
1.5.3. Beispiel: Periodischer Rechteckimpuls mit Länge 1 und Periode π
Sei f(t) ein periodische Rechteckschwingung mit Periode 2π. f(t) sei 1 zwischen 0 und π und - 1 zwischen π und 2π und werde dann in gleicher Weise periodisch fortgesetzt.
f ist punktsymmetrisch zu (0/0), folglich entfallen alle a(k). Wir finden:
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Obige Rechteckfunktion (n = 11 unten und n = 39 rechts), sowie ganz rechts das
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Bemerkung zur Konvergenz: Man sieht, dass die Reihe mit zunehmender Anzahl Summanden sich der Rechteckfunktion annähert. Allerdings wird an den Ecken der Rechtecke keine schöne Konvergenz sichtbar: Es entstehen "Ausschläge", die nicht verschwinden (Gibssches Phänomen). Es gilt: Für Funktionen mit einem Sprung (wie z.B. unsere periodische Rechteckfunktion) konvergieren die Fourierreihen niemals gleichmässig. Man spricht von mittlerer quadratischer Konvergenz. |
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Weiteres Beispiel: Sägezahn-Schwingung
Die Grenzfunktion ist (mit Ausnahme der singulären Punkte bei den ungeraden, ganzzahligen x-Werten) punktsymmetrisch zum Ursprung, und die Fourierpolynome enthalten deshalb nur Sinus-Komponenten. Periode T = 2.
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Es liegt keine punktweise Konvergenz vor, da z.B. bei x = 1 alle Fourierpolynome 0 werden, f jedoch gemäss Konstruktion links den Wert 1 besitzt. |
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Herleitung des Integrals oben mittels partieller Integration:
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Weiteres Beispiel: f(x) = 1 - x²/π², -π ≤ x ≤ π, eine quadratische Parabelfunktion F(x) ist das zugehörige Fourierpolynom 4. Ordnung. Man sieht die recht gute Näherung im Intervall [-π ; π] mit Ausnahme des Randbereichs dieses Intervalls. Das Fourierpolynom setzt die Funktion f periodisch fort, weshalb im Randbereich des Intervalls die Näherung nicht mehr funktionieren kann. f ist achsensymmetrisch zur y-Achse, sodass im Fourierpolynom nur Kosinusfunktionen auftreten.
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1.5.4. Übergang zur komplexen Darstellung In der komplexen Darstellung können wir den Sonderzug von a(0) vermeiden und die Summenformel kompakt schreiben.
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![]() |
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Nun ergibt sich:
Wir haben nun das Fourierpolynom als kompakte Summe mit komplexen Koeffizienten geschrieben. Dazu mussten wir auch negative Indizes k zulassen. |
Für 2π-periodische Funktionen haben wir also:
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Wir verallgemeinern noch auf periodische Funktionen mit Periode T:
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1.5.5. Verallgemeinerung auf nicht-periodische Funktionen Lassen wir T gegen unendlich gehen, so wird die 2. Periode immer weiter hinausgeschoben; für unendliches T erscheint sie überhaupt nicht mehr: Wir haben eine abbrechende, nicht-periodische Funktion. Was geschieht dabei?
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1.5.6. Vereinfachte Formeln für gerade und für ungerade nicht-periodische Funktionen
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Manche Funktionen können in einen geraden und einen ungeraden Anteil aufgespalten werden:
Abb. oben: Spektraldichtefunktion eines endlichen Rechteckimpulses (2s), symmetrisch zur y-Achse. ω = Kreisfrequenz = 2πν. Was bedeuten negative Frequenzamplituden? Fürs Ohr wäre die Intensität, d.h. die quadrierte Funktion, massgebend. |
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Gedämpfte Kosinusschwingung 20 Hz
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Die Fouriertransformierte der Kosinusschwingung links (Frequenzspektrum).
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Derselbe 20Hz-Ton noch kürzer: Das Frequenzspektrum wird breiter; damit wird dieser tiefe Ton noch weniger gut identifizierbar. Die Hör-Unsicherheit ist grösser als ein Halbtonschritt. (Niemand wird in einem Musikvortrag bemerken, wenn in einer relativ schnell und staccato gespielten, sehr tiefen Basslinie aus Versehen um einen Halbton daneben gegriffen wird.) |
Zusammengefasst: |
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2. Funktionen multiplizieren Treffen äussere Einflüsse auf einen Filter, findet gewissermassen eine multiplikative Selektion statt. Ein Beispiel für solche Filterungsvorgänge ist unser Farbsehen. Bereits im Auge findet ein Grossteil der Datenverarbeitung statt. In unseren Augen befinden sich drei Zapfenarten fürs Farbsehen (S-, M- und L-Rezeptoren). Diese sind für verschiedene eintreffende Frequenzen verschieden empfänglich. Sei y(λ) die Empfänglichkeitskurve für die M-Zapfen. |
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Denselben Gewichtungsvorgang kann man nun auch mit den beiden andern Zapfenarten durchführen. Man erhält drei Produktfunktionen. Deren Integrale sind drei Zahlen X, Y und Z, die gewissermassen den Farbwert, den das eintreffende Spektrum in uns erzeugt, quantifizieren. X / (X + Y + Z), Y / (X + Y + Z), Z / (X + Y + Z). Bild rechts: Der ungefähre Verlauf der drei Normspektralwertfunktionen unseres Auges (nur ungefährer Verlauf!). Sie wurden durch Versuche an zahlreichen Versuchspersonen ermittelt, jedoch so transformiert, dass keine negativen Werte entstehen. Genaueres s. Link oben. Es ist also nicht der äussere Frequenzeinfluss allein, der die Farbwahrnehmung erzeugt, sondern sein Zusammenwirken mit den Empfindlichkeitsfunktionen der Rezeptoren in unseren Augen. |
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3. Funktionen verketten Funktionen können verettet, d.h. hintereinander ausgeführt werden.
Kettenregel: s. hier. |
Beispiel oben: Gaussglocke mit Mittelwert μ=2 und Standardabweichung σ=2. Gesamtfläche 1. Flächeninhalt im Bereich [μ - σ ; μ + σ]: 0.683 Flächeninhalt im Bereich [μ - 2σ ; μ + 2σ]: 0.955 |
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4. Funktionen falten Siehe hier oder auch hier. |
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